Pflasterfugen reinigen oder begrünen?

Ich persönlich freue mich ja, wenn es kleine Hungerkünstler schaffen auch noch in der kleinsten Pflasterfuge zu wurzeln. Vielen jedoch ist das wild wuchernde Grün ein Dorn im Auge. Vielleicht hilft es diesen Menschen ja, die kleinen Blütchen mit Insektenaugen zu betrachten….Na, Lust auf Pollen bekommen…..

Gartenbauverein Stammham, OGV Stammham, Garten- und Landschaftspflege Stammham

Gift spritzen auf Pflaster streng verboten!

Es gibt keine zugelassenen Spritzmittel für Pflasterflächen in Deutschland. Grund ist, das sich das Spritzmittel auf den Pflasterflächen nicht abbauen kann. Jeder der Barfuß über eine gespritzte Fläche läuft, nimmt das Gift über die Haut auf. Kinder, Haustiere. Selbst mit Schuhen trägt man das Gift ins Haus. Und schlimmstenfalls wird die Giftbrühe beim nächsten Regen in den Kanal gewaschen und gelangt so in unser Grundwasser. Denn auch in der Kläranlage werden die Pflanzengifte nicht herausgefiltert. Spuren hat man bereits in vielen Mineralwässern nachgewiesen.

Mechanische Bekämpfung

Es gibt inzwischen langstielige Drahtbürsten, mit denen sich Pflasterfugen mit mäßigem Kraftaufwand reinigen lassen. 2x jährlich sollte dies aber dann schon erfolgen.

Kärchern – Mit Wasserkraft lässt sich eine Terrassenfläche ebenfalls schnell inclusive der Fugen säubern. Vorteil, nicht nur die Fugen sind schön sauber, sonder auch das Pflaster erstrahlt wieder.

Abflammen – Mit Gas und einer Flammendüse lässt sich lästiges Pflasterfugen-Grün abflammen. Aber Vorsicht, wie mein Arbeitskollege feststellen musste, gerät auch die trockene Hecke daneben schnell in Brand. Da war ein Feuerwehr-Einsatz notwendig! Aber immerhin kam er in die Zeitung (Grins). Große Flächen kosten außerdem relativ viel Gas. Umweltfreundlich geht anders.

Warum also die Pflasterfugen nicht absichtlich attraktiv begrünen?

Statt Unkraut zu entfernen kann man Pflasterfugen auch blühen lassen. Mit einer Saatgutmischung, welche danach auch problemlos betreten werden kann ist das unkompliziert. Am besten funktioniert das in etwas breiteren Fugen. Vor dem Aussähen etwas Erde, gemischt mit Sand und etwas Lehm in die Fugen einkehren. Dann die Saatgutmischung mit etwas feinem Quarzsand (Vogelsand) vermengen und breitwürfig ausstreuen. Noch in die Fugen kehren. Und dann…. auf die Blüten warten.

Saatmischungen für Pflasterfugen gibt es im Internet viele zu kaufen. Und nicht nur Mischungen, sie können die genügsamen Blümchen auch sortenrein kaufen.

In Saatgutmischungen sind meist mehrere der unten genannten Pflanzen enthalten:

  • Alpen-Steinquendel (Acinos alpinus) Kräutlein kann auch geerntet werden
  • Bergsteinkraut (Alyssum montanum)
  • Bergsandglöckchen (Jasione montana) blüht himmelblau von Juni bis September
  • Dachhauswurz (Sempercivum tectorum)
  • Duft Rasenkamille (Chamaemelum nobile) oder Römische Teppich-Kamille (Chamaemelum nobile „Trenegue“) sowol für Sonne als auch für Halbschatten geeignet
  • Duftveilchen (Viola odorata) auch für Schattenlagen geeignet; Blüten können auch geerntet werden
  • Echtes Labkraut (Falium verum) blüht gelb von Juni bis September
  • Echter Gamander (Teucrium chamaedys) blüht rosa-purpur von Juni bis August
  • Felsennelke (Petrorhagia saxifraga)
  • Frühlings-Hungerblümchen (Erophila verna)
  • Gänseblümchen (Bellis perennis) Kräutlein kann auch geerntet werden
  • Goldtröpfchen (Chiastophyllum oppositifolium)
  • Große Braunelle (Prunella grandiflora) blüht violett von Juni bis August
  • Heidenelke (Dianthus deltoides) blüht purpur-rosa von Juni bis September
  • Hornschotenklee (Lotus corniculatus) blüht gelb von Mai bis August
  • Horst-Rotschwingel (Festuca nigrescens) Gräßerart
  • Kaukasus-Asienfetthenne (Sedum spurium)
  • Kleiner Gewürz-Thymian (Thymus vulgaris „Compactus“) Kräutlein kann auch geerntet werden
  • Mastkraut (Sagina sabulata)
  • Nikendes Leimkraut (Silene nutans) blüht weiß bon Mai bis September
  • Polster-Dost (Origanum vulgare „Compactum“) Kräutlein kann auch geerntet werden
  • Sandnelke (Dianthus arenarius)
  • Sandthymian (Thymus serpyllum) Kräutlein kann auch geerntet werden
  • Schafschwingel (Festuca ovina) Gräserart
  • Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre) blüht gelb von Juni bis Juli
  • Schnittlauch „Rising Star“ (Allium schoenoprasum „Rising Star) Kräutlein kann auch geerntet werden
  • Stachelnüsschen (Acaena)
  • Steinbrech-Felsennelke (Petrorhagia saxifragas) blüht weiß-purpur vom  Juni bis September
  • Steinquendel (Acinos arvensis)
  • Teppich-Glockenblume (Campanula portenschlagiana)
  • Teppich-Sedum (Sedum spurium)
  • Waldmeister (Galium odoratum) auch für Schattenlagen geeignet; Kräutlein kann auch geerntet werden
  • Weißer Mauerpfeffer (Sedum album)
  • Weiße Silberwurzel (Dryas octopetala)
  • Wundklee (Anthyllis vulneraria) blüht gelb von Mai bis August
  • Trittfester Thymian (Thymus praecos oder Thymus pulegoides) Kräutlein kann auch geerntet werden, blüht rosa-Violett von Mai bis August
  • Zitronenthymian (Thymus herba-barona var. Citrodora) Kräutlein kann auch geerntet werden
  • Zwerg Bohnenkraut (Satureja montana ssp illyrica) Kräutlein kann auch geerntet werden

Noch mehr Fugen zum begrünen?

Auch andere Fugen lassen sich schön begrünen, Risse und Fugen in Trockenmauern oder Mauern lassen sich so zum Leben erwecken. Wer genau hinschaut, findet noch mehr kleinste Bereiche: Egal ob ein schmales Beet entlang der Einfahrt, den nächsten Topf, die größeren Streifen zwischen Trittsteinen zum Sitzplatz oder den Rand des Blumenbeetes. Die Genügsamen halten Hitze und Wassermangel gut aus. Hunger auf nährstoffreiche Erde kennen sie nicht, so erübrigt sich sogar das Düngen. Und von den Kräutern können sie sogar ernten.

SO WIRD EINGESÄHT:

  • Vor dem Einsähen die Fläche/Fugen mit der Spitzhacke aufhacken.
  • Ein Weg, welcher mit Trittsteinen versehen ist. Bekommt zuunterst eine 20 cm Schicht aus grobem Schotter, dann 10 cm feiner Schotter. Dort hinein werden die Trittsteine verlegt. Zuoberst 2-3 cm oberflächlich eingeharkter Kompost. Für Wege empfiehlt es sich links und rechts eine Weg-Begrenzung einzubauen.
  • Auch in Pflasterfugen 2-3 cm Kompost oberflächlich einharken.
  • Nur Wildpflanzenmischungen für diese spezielle Bauweise verwenden! Siehe oben
  • Nicht wundern: Bei Schotterrasen-Saatgut wird nur 1-6 g pro Quadratmeter ausgebracht. So kleine Mengen lassen sich gleichmäßiger verteilen, wenn sie mit etwas Sand vermischt werden.  Wichtig, das Saatgut nur aufstreuen, nicht einharken. Wildpflanzen sind in der Regel Lichtkeimer.
  • Nach der Aussaat die Fläche wieder verdichten. Entweder mit dem Rücken eines Rechens feststampfen oder größere Flächen mit der Rüttelplatte.
  • Größere Pflanzen lassen sich auch aus dem Töpfchen direkt in die Schotter-Sand-Kompostmischung pflanzen

Autorin: Petra Herbach