Schnecken erfolgreich im Zaum halten

Wer hat sich noch nicht über von Schnecken befallenes und zerfressenes Gemüse geärgert. Über Nacht sind in meinem Garten schon ganze Beete mit hunderten von frisch gesetzten Jungpflanzen abgeraspelt worden. Also müssen die Schnecken weg. Über die Bekämpfung der Molusken wurden ganze Bücher geschrieben. Auch ich habe einige.

Und, bin ich durch die Bücher erfolgreicher im Kampf gegen die Schnecken geworden? Nun ja, wie man es nimmt. Meine Erfahrungen fasse ich hier mal zusammen.

 

Erst mal Grundsätzliches:

Merke dir!!! Alle Schnecken sind deine Freunde – den sie fressen nur Verwelkendes und Abgestorbenes und räumen so im Garten auf. Außer, ja… außer die Schnecken hören auf den Namen „Spanische Wegschnecke“ oder „Deutsche Wegschnecke“. Die Beiden sind sich ziemlich ähnlich. Glitschige Nacktschnecken die sich nur in der Färbung etwas unterscheiden. Die adulten Spanischen Wegschnecken sind orange und die Deutsche Art braun.

Weinbergschnecken, Schnirkelschnecken und andere Bänderschnecken sowie den hauslosen Tigerschnegel lasse ich gewähren. Sie verursachen, wenn überhaupt nur sehr geringe Schäden. Nur aus dem Gemüsebeet trage ich diese Arten in den Blühstreifen.

Wie sich die Spanische und die Deutsche Wegschnecke entwickelt:

Haben sie auch schon öfters mitten im Salatkopf kleine fast durchsichtige oder hellbeige Schnecken gefunden. Nun so sehen die Kinder der Wegschnecken aus. Später bekommen die jungen Wegschnecken eine schwarze Oberseite und eine beige-weiße Sohle. Erst im Lauf des nächsten Frühjahrs färben sich die Schnecken dann um in ihr fuchsbraunes Gewand.

1-2 mal pro Jahr legen die Schnecken Eier, nachdem sie sich gepaart haben. Manche Schneckenarten sind Zwitterwesen. Sie haben also Geschlechtsorgane beiderlei Geschlechts. So können sie bei der Paarung Spermien absetzen und gleichzeitig empfangen. Ab Ende Juni fangen die Schnecken an, ihre Eier zu legen. Im August und September erlebt die Schneckeneiablage dann ihren Höhepunkt. Bei milden Temperaturen kann sich die Eiablage bis in den Dezember ziehen. Die Schnecken überwintern als Ei oder erwachsenes Tier. Sollten sie ein Ei-Gelege, welches aus mehreren kleinen weißen, glasigen Eierchen besteht, finden, zerquetschen sie die Eier gründlich. Sie werden merken, das ist gar nicht so einfach, den die Hülle ist ganz schön stabil.

Im Winter erfrieren die Schneckeneier nur dann, wenn sie zu dicht an der Erdoberfläche liegen. Die Schnecken legen ihre Eierchen also in möglichst tiefe Mulden. Es hilft, den Gemüsegarten erst nach den ersten Nachtfrösten umzugraben. Unsere schützenswerten Mikroorganismen haben sich dann in tiefere Bodenschichten verzogen und die Schneckeneier geraten so an die Oberfläche und erfrieren. Folgt nach einem milden Winter ein regenreicher Frühling oder Sommer, explodieren die Schneckenpopulationen geradezu, weil mehr Eier schlüpfen.

Schnecken sind nachtaktiv und meiden den sonnigen Tag, da sie sonst austrocknen würden. Nur bei Regen oder Nebel kann man Nacktschnecken auch am Tag antreffen. Gehäuseschnecken verziehen sich an heißen Tagen eher in höhere, kühlere Regionen auf einen Strauch, Baum oder stabile Grashalme. Daher sammle ich die Wegschnecken (und ausschließlich diese!) in der Dämmerung früh morgens und abends ab und zerschneide sie mit einer alten billigen Gartenschere. Das erscheint manchem ziemlich grausam, ist aber die schnellste und wirksamste Methode. Andere Methoden wie Ertränken oder in Salz oder Kalk wälzen quält die Tierchen unnötig lange zu Tode. Auch Schnecken sind Lebewesen und haben es nicht verdient, lange leiden zu müssen. Um die Schnecken leichter zu finden, legen wir Rhabarberblätter oder Bretter aus, unter denen sich die Tierchen tagsüber verstecken.

Schneckenkorn:

Es sollte sich herumgesprochen haben, dass im Garten nur noch Feramol (Eisen III Phosphat) eingesetzt werden sollte. Es zerfällt zu Eisen und Phosphat, welches beides als Dünger von Pflanzen aufgenommen werden kann. Ist also für den Menschen völlig unschädlich. Ja wir bringen Eisen und Phosphat sogar bei Bedarf als Dünger selbst aus. Schneckenkorn ist also besser als sein Ruf.

Nun muss aber eine erwachsene Schnecke bis zu 10 Körnchen fressen, damit das Gift wirksam ist. Auch nützliche Schnecken fressen das Schneckenkorn und sterben leider daran. Igel und andere schneckenfressende Nützlinge könnten sich den Magen gehörig an den nur leicht vergifteten Schnecken verrenken. Und wer Kleinkinder hat, sollte auf die verlockenden blauen Körnchen gar ganz verzichten.

Deshalb plädiere ich hier für das gute alte Absammeln.

Schneckenzaun:

Wo die Schnecke nicht rankommt, kann sie nix abfressen. Um Hochbeere empfiehlt es sich einen Schneckenzaun anzubringen. Über die speziell gebogene Rinne können Schnecken nicht darüber kriechen. Wahlweise hilft es auch zwei Reihen Kupferstreifen anzukleben. Das Kupfer ist für die Schnecken beim Überqueren schmerzhaft. Manch eine Schnecke hat aber so einen Kohldampf, dass sie über einen Streifen noch hinüber klettert. Deshalb sollte mit ein paar Zentimetern Abstand ein zweiter Streifen angeklebt werden. Die Kupferbänder sind nicht besonders teuer.

Jungen Pflanzen wie zum Beispiel Kürbis oder Zucchini verpasse ich einen Kunststoff-Schneckenring. Seither werden sogar auf dem Kompost, welcher ja immer sehr schneckenreich ist, meine Setzlinge nicht mehr abgefressen.

Es gibt auch Schneckenzäune, mit denen man den gesamten Gemüsegarten einzäunen kann. Achten sie darauf, das von außen hohes Gras nicht als „Leiter“ für die Schnecken über den Schnecken-Zaun dienen kann.

In die umzäunten Beete können Schnecken nun nur noch mit ausgebrachten Kompost gelangen. Deshalb achten wir beim Kompost sieben immer sehr auf Schneckengelege und sammeln diese akribisch ab, bevor wir ihn im Garten verteilen.

Nützlinge:

Und noch etwas machen wir in unserem Garten völlig anders. Wir fördern unsere schneckenfressenden Nützlinge.

Die Erdkröte hat einen Reisighaufen und ein Wasserbecken mit Binsen zur Eiablage bekommen. Für den Igel gibt es ein Haus und eine Vogeltränke. Die Glühwürmchen, deren Larven sich 3 Jahre lange nur von Schnecken ernähren, profitieren ebenfalls vom Reisighaufen, den Obst- und Wildobstbüschen und vor allem vom fehlenden Licht des Nachts. Und dann ist da noch die Spitzmaus. Sie vertilgt täglich ihr Eigengewicht an Schnecken und anderem Ungeziefer. Ihr habe ich große Tontöpfe mit Holzwolle aufgestellt. Gerne verschlupft sie sich aber auch unter dem Reisighaufen. Die kostenlosten Gärtner sind also alle da. Wir müssen ihnen nur Unterschlupf im Garten gewähren und nicht jede Ecke akribisch aufräumen. Schon ist das Schneckenproblem gelöst.

Und dann gibt es noch die Laufenten. Die haben im Garten meiner Mutter gründlich mit Schnecken aufgeräumt. Sie müssen aber mit Beginn der Gemüsegarten-Saison bis zur Ernte im Herbst immer vom Gemüsegarten ausgesperrt werden, da den Laufenten junger Salat auch schmecken würde. Auch Hühner picken Schnecken sehr gerne, wenn man ihnen die gesammelten Exemplare ins Gehege wirft.

Vor allem Amseln, Drossel, Hausrotschwanz, Stare, Eichelhäher und Krähenvögel fressen Schnecken. Fördern sie also ihre Singvögel mit passenden Nistkästen und Hecken. Am besten Wildobsthecken, weil dann das Futter schon dabei ist. Stellen sie Nistmaterial zur Verfügung. Dies geht ganz einfach. Im Frühjahr, wenn sie ihre Stauden-Blumen schneiden, schneiden sie die verdorrten Stängel in 10 cm Stücke und lassen diese an Ort und Stelle als Mulch liegen. Erstens können dann die nützlichen Insekten welche als Ei an den Stängeln überwintert haben noch schlüpfen und die Vögel haben Zweiglein zum Nestbau. Aus dem Rasen vertikutiertes Moos rechen sie ebenfalls als Mulch zwischen die Blumenstauden. Damit polstern die Vögel ihre Nester. Und wenn sie ganz gut sein wollen, stellen sie den Vögeln noch Federn (aus einem alten Bett oder Kopfkissen) in einem Drahtgeflecht für die letzte Polsterung zur Verfügung. Die Singvögel werden sich dann nicht nur um ihr Schneckenproblem kümmern.

Helfen sollen auch Nematoden, welche die Schnecken parasitieren. Sie werden in Wasser aufgelöst und im ganzen Garten gegossen. Ausprobiert habe ich das noch nicht. Da die Nematoden im ganzen Garten ausgegossen werden müssen, war mir diese Methode bisher zu teuer.

Was nicht funktioniert hat:

  • Bierfallen locken sämtliche Schnecken der Umgebung an. Die meisten Schnecken nehmen einen tiefen Schluck und ziehen dann wieder ihres Weges. In der Falle ertrunken sind die Wenigsten. Trinken sie ihr Bier also lieber selbst.
  • Teure Schneckenfallen und Boxen, welche mit diversen stinkenden Lockmitteln oder Schneckenkorn befüllt werden. Sparen sie sich das Geld. Die meisten Schnecken gehen zum Fressen nicht in eine Box oder Haus. Streuen sie Feramol-Schneckenkorn lieber breitwürfig und am besten, auf leere Beete aus. Am nächsten Tag sollte das Beet weitestgehend schneckenfrei sein und kann bepflanzt werden.
  • Düngekalk. Er wird breitwürfig ausgestreut, sinkt in den Boden ein und soll dabei die Eigelege der Schnecken zerstören. Mit Kalk kann man schon mal düngen – aber nicht zu viel. Mit Kalk wird einer Versauerung des Bodens entgegengewirkt. Also nur bei einem PH-Wert unter 5,5 wird 150 g/m² Düngekalk ausgebracht. Stimmt der PH-Wert nicht, keimt auch kein Sämling mehr. Dicke Kalkschichten rund um den Gemüsegarten, damit die Schnecken nicht darüber kriechen, sollten nicht gemacht werden. Den auch dieser Kalk wird in den Boden gespült und auf diesem Bodenstreifen wächst dann nichts mehr.
  • Scharfe Kiesel oder Getreidespelzen rund um den Gemüsegarten. Sollen dazu dienen, dass von der angrenzenden Wiese die Schnecken nicht in den Gemüsegarten kriechen. Leider wussten die Schnecken dieses nicht und krochen trotzdem über die Sperre.

FAZIT:

Absammeln, Schneckenzäune anbringen und Nützlinge fördern ist meine Lösung.

Noch nicht ausprobiert habe ich es als Zauberer wie Ron Weasley in Harry Potter mit dem Zauberspruch „Schluck Schnecken!“. Mit gebrochenem Zauberstab könnte es aber sein, dass dies nicht ganz so schmackhaft ist.

Autorin Petra Herbach