Mehr Dunkelheit im Garten.

Wir brauchen mehr Dunkelheit!
Licht hat seine Schattenseiten. Bei Tag kann es nicht genug sein. Im Winter leidet der Mensch gar unter Vitamin D-Mangel. Ein täglicher 20 Minütiger Spaziergang kann da helfen.
Aber was ist mit dem Licht in der Nacht?
Wir empfinden Licht oft als etwas sehr Positives. Die hellen LED-Straßenlampen geben vielen Bürgern ein Gefühl der Sicherheit. Aber muss es immer so hell sein? Versuchen sie einmal, wie weit sie Nachts gehen müssen, um den Sternenhimmel wieder zu sehen. Na? Sie müssen außerhalb ihres Dorfes danach suchen. In meiner Kindheit waren Straßenlaternen nicht so furchtbar hell. Da genügte es vor die Haustüre zu gehen. Und die Straßen waren trotzdem erleuchtet.
Bei Dunkelheit schläft der Mensch besser und tiefer. Das Schlafhormon Melatonin wird nur bei Dunkelheit ausreichend gebildet – bilden wir zu wenig Melatonin schläft der Mensch schlecht und unruhig. Wir Menschen können die Rolläden herunter lassen und die Vorhänge schließen um gesunden Schlaf zu finden.

Und im Garten?
Tiere, Pflanzen und Bakterien sind an den starken Tag-und-Nacht-Wechsel angepasst. Viele nachtaktive Tiere sind auf die Dunkelheit angewiesen. Igel werden durch das Licht bei Nacht geblendet und vermeiden beleuchtete Bereiche. Nachtaktive Tiere wie Igel und Kröte gehen täglich viel später auf Futtersuche, wenn der Garten hell erleuchtet ist. Viele nachtaktive Tiere haben so zu wenig Zeit für die Futtersuche und legen zu wenig Speck für den Winterschlaf an. Glühwürmchen sterben aus, ihre Weibchen können nicht gegen künstliche Lichtquellen anleuchten und finden keinen Partner mehr. Dabei ernähren sich die Larven der Glühwürmchen 3 Jahre lang ausschließlich von Schnecken. Hier wird ein biologisches Gleichgewicht gestört.
Bäume brauchen nachts ebenfalls Dunkelheit. Solange sie beleuchtet werden, betreiben sie auch nachts Fotosynthese. Sie machen praktisch Überstunden, dies schwächte den Baum. Die Blätter verbräunen und sterben früher ab. Im Herbst wartet der Baum vergeblich darauf, dass die Tage kürzer werden. Der rund um die Uhr beleuchtete Baum wirf eventuell nicht alle seine Blätter ab. Bäume verlieren auf der lichtzugewandten Seite später das Laub und treiben früher an dieser Seite wieder aus. Die Äste der Blätterseite brechen unter der Schneelast ab. Im Frühjahr erfrieren die Knospen der früh treibenden Seite wenn Frühlingsfröste auftreten.
Blumenstauden leiden ebenfalls unter dem nächtlichen Licht. Das Holz der Blumen reift nicht aus und die Pflanzen ziehen ihre Nährstoffe später in den Wurzelballen ein. Für die Pflanzen herrscht eben noch Frühherbst. Im Frühling treiben sie ebenfalls zu früh aus und erfrieren. Für uns heißt dies kranke, schlecht blühende Blumenstauden.
Die Forschung weiß, das Licht beim Insektensterben eine maßgebliche Rolle spielt. Helle Lichtquellen stören empfindlich das Leben nachtaktiver Insekten und sind der Tod vieler Nachtfalter. Richten sie unvermeidliche Beleuchtungen immer nach unten aus und verwenden sie nur Leuchtmittel welche nicht warm werden. In den hellen Lichtkegeln verweilen die Nachtfalter und nachtaktiven Insekten wie in einem Gefängnis und verbrennen an den warmen Lampen. Die Gärten sind aufgrund fehlender anderer Habitate ein wichtiges Rückzugsgebiet geworden. Solarlampen und Lichterketten verändern das Verhalten von Insekten. Nachtalter fressen weniger und schwirren um die Lichtquelle herum. Fledermäuse bleiben hungrig, während ihr Futter um die Lichtquelle herumschwirrt.
Auch Vögel haben ein Problem, Sie beginnen morgens teilweise 2 Stunden früher zu singen. Das raubt den Singvögeln den Schlaf und sie sind häufiger krank, die Mauser und die Fortpflanzung sind gestört. Einige Vogelarten wie Amseln und Meisen fangen früher an zu brüten und können dann mangels Futterangebot die Brut nicht ernähren. Die Vögel fangen zu früh zu brüten an, weil durch das Licht Frühlingsgefühle entstehen – die frühe Brut erfriert dann in den Frühlingsfrösten. Im Herbst ziehen Zugvögel oft zu spät los, weil gemäß den Lichtverhältnissen für sie noch Spätsommer herrscht. Mann hat sogar erforscht, das Zugvögel wegen der hell erleuchteten Städte orientierungslos werden und mit langen Umwegen ins Winterquartier ziehen. Das kostet die Zugvögel unnötige Kraft – mit ein Grund für das Vogelsterben.
Selbst Teiche werden heute gerne beleuchtet. Dabei reagieren Wasserorganismen nach heutigem Wissensstand besonders empfindlich auf Licht. Algen wachsen stärker. Wasserflöhe und andere Kleinstlebewesen, die Algen fressen, mögen hingegen kein Licht. Deshalb kippen illuminierte Teiche häufiger um.
Mückenlarven schlüpfen bei Teichbeleuchtung schneller, weiß die Forschung.
Gibt es Umwelt- und insektenfreundliches Licht?
Es gibt grundsätzlich kein umweltfreundliches Licht. Je kälter, also blauhaltiger, das Licht ist, desto stärker ist die Störwirkung. Auch wir Menschen empfinden dieses Licht als unangenehm. Insbesondere das kaltweiße Licht bring auch unseren Bio-Rhythmus durcheinander.
Fazit:
Je dunkler ein Garten ist, desto mehr Biodiversität!
Für die Wegbeleuchtung brauchen wir viel weniger Licht, als wir denken. Es sollte außerdem mit einem Bewegungsmelder verbunden sein und sich von selbst wieder ausschalten. Achten sie darauf, dass Lichtquellen nicht in Nachbars Haus oder Garten scheinen.
Auch Abschirmung hilft, so dass Licht nicht die ganze Umgebung erleuchten. Es sollte nach unten auf den Weg geleitet werden. Lichtkugeln und Bodenscheinwerfer sind dafür nicht geeignet. Vor allem die überflüssigen Solarleuchten, welche sich nicht ausschalten lassen, sollten weggeworfen werden. ein Garten muss nicht Dauer-illuminiert sein. Brauchen wir wirklich angestrahlte Fassaden und Baumwipfel oder die Unterwasserbeleuchtung im Teich. Muss jeder Gartenweg bis in den letzten Winkel die ganze Nacht über beleuchtet werden?

Wer in lauen Sommernächten im Garen sitzen möchte, kann sich auch an heimeligen Kerzenlicht im Windglas erfreuen – es müssen nicht die dauerbrennenden Solarlampen sein. Dann können sie von der Terrasse aus auch nachtaktive Tiere beobachten.
Tipps für eine schonende Beleuchtung:
- Erwerben Sie keine LEDs mit Lichtfarben im UV- und Blaubereich über 3.000 Kelvin. Die Farbtemperatur sollte darunter liegen, was etwa der im Handel benutzen Bezeichnung „warmweiß“ entspricht. Insekten reagieren nämlich sensibel auf die UV-Anteile im Licht, da sie diese benötigen, um sich an den Blüten ihrer Nahrungspflanzen gut orientieren zu können.
- Bevorzugen Sie gelbe, orange und rötliche Lichtfarben, diese sind auch für das menschliche Auge angenehmer und blenden nicht so stark.
- Kaufen Sie Leuchten mit wenig Leistung. Alternativ zu schwachen Leuchten wählen sie dimmbare und passen die Helligkeit dem Bedarf an.
- Nur so viel Beleuchtung wie nötig benutzen, vor allem in der Zeit von April bis Oktober wen die meisten Insekten und Fledermäuse aktiv sind.
- Verwenden Sie Zeitschaltuhren und /oder Bewegungsmelder. Diese so justieren, dass diese nur von den Benutzern ausgelöst werden und nicht etwa von vorbeilaufenden Passanten, Katzen oder Igeln.
- Richten sie Strahle nie in den Himmel und beleuchten Sie keine Pflanzen von unten sonst sind schlaflose Nächte für Tiere vorprogrammiert?
- Vermeiden Sie Streulicht, grenzen Sie den Lichtkegel aufs Nötigste ein.
- Benutzen Sie Leuchtmittel, die nicht wärmer als 60 Grad werden.
- Verwenden Sie Reflektoren anstatt einer Lampe, z.B. als Markierung an der Einfahrt oder helle Beläge auf den Wegen
- Schirmen sie beleuchtete Fenster nach außen hin ab, z.B. durch ein Rollo oder einen Vorhang und vermeiden sie Lichtspiegelungen auf Fenstern.
- Übrigens, ein wichtiges Licht wird oft vergessen. Die beleuchtete Hausnummer. Feuerwehr, Rettungsdienst und Paketbote danken. Schwach beleuchtete Solarhausnummern mit Dämmerungssensor sind ideal. Sie benötigen keine Stromleitung und schalten sich Tagsüber ab und in der Dämmerung automatisch wieder ein. Tagsüber wird der Akku-Speicher durch das Sonnenlicht geladen. Das Licht dieser Hausnummern ist so gering, dass es die Natur nur marginal stört.
Autorin Petra Herbach
