Nützlingsförderung für Schmetterlinge

Totholzhaufen / Brennnessel Schwalbenschwanz Tagpfauenauge
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Hallo ich bin es, ein wunderschöner Schmetterling
Die Menschen lieben mich weil wir so wunderschön anzusehen sind. Außerdem flattern wir von Blüte zu Blüte und bestäuben dabei die Pflanzen. Manche von uns sind mit ihrem langen Rüssel wahre Bestäubungs-Spezialisten – sie bestäuben Blüten, an die andere Insekten nicht rankommen. In Deutschland gibt es 3.700 Schmetterlingsarten. 170 davon sind Tagfalter. Die weitaus größere Zahl sind Nachtfalter, von den Menschen Motten oder Schwärmer genannt. Und wir sind wichtigstes Nahrungsmittel für Vögel, vor allem unsere Raupen. 50 kg Insekten sammelt ein Meisen-Pärchen pro Sommer um ihre Brut zu versorgen. Auch Kröten, Igel, Spinnen usw. sind unsere Fressfeinde. Ja, von unseren Raupen überleben nur 10-20 %. Doch unsere größten Vernichter sind die Menschen. Immer mehr Spritzmittel aber vor allem leer geräumte Gärten schaden uns. 50 % der Deutschen Falter-Arten stehen auf der roten Liste der aussterbenden Arten. Ein trauriger Rekord. Dabei sind wir durchaus interessante Tiere, besser als James Bond, es gibt unter uns Meister der Tarnung und Abschreckung. Einige von uns ernähren sich von giftigen Pflanzen und werden so für Fressfeinde selbst giftig und der Braune Bär verspritzt gar gleich sein Gift direkt auf Angreifer. Bei Gefahr können einige Falter aber auch Laute ausstoßen um Fledermäuse zu täuschen oder sich blitzschnell zu Boden fallen lassen. Der schnellste Schmetterling, der Windenschwärmer, fliegt 100 km/h schnell. Ach es gäbe noch so viel Tolles über uns zu berichten. Willst du einen Schmetterlingsfreundlichen Garten gestalten? Ein Schmetterlingsflieder macht noch keinen Schmetterlingsfreund, wir benötigen schon etwas mehr Natur. Aber keine Angst, ein Schmetterlingsparadies lässt sich auch in einem kleinen Garten gestalten.
Ein bisschen beneiden uns die Menschen ja auch um unser tolles Leben: Als Raupe fressen, schlafen, fressen, schlafen und zack wunderschön.
Was ich liebe und brauche:
- Schmetterlings-Nahrungspflanzen und – Kinderstuben: Blühende Pflanzen von Frühjahr bis Herbst finden wir Schmetterlinge toll. Schmetterlingspflanzen sind zum Beispiel: Ackerkratzdistel, Bärlauch, Baldrian, Bartblumen, Beifuß, Bergenien, Bergminze, Blaukissen, Blausternchen, Borretsch, Brennnesseln, Dill, Disteln – Kratzdistel oder Weberkarde, Duftnessel, Echter Dost (Origanum vulgare), Echtes Labkraut (Galium verum), Färber-Ginster (Genista tinctoria), Färberkamille, Fetthenne, Flachblatt-Mannstreu (Eryngium planum), Gewöhnlicher Blutweiderich (Lythrum salicaria), Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium Cannabinum), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba Officinalis), Johanniskraut, Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum, Knoblauchsrauke, Kornblume, Krokusse, Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi), Küchenschelle, Kümmel, Lavendel, Löwenzahn, Lungenkraut, Malven, Margerite, Monarde, Nachtkerzen, Nachtviolen, Natternkopf, Nelken – Karthäusernelke, Heidenelke oder Pfingstnelke, Phlox, Purpur-Fetthenne (Hylotelephium tlephium), Ringelblumen, Rote Spornblume, Salbei, Sauerampfer, Seifenkraut, Silberblatt, Sonnenhut,Taubenskabiose, Thymian (Thymus), Verbenen, Weißes nickendes Taubenkropf-Leimkraut, Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Wiesensalbei (Salcia pratensis), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis), Wilde Karde, Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota), Wilder Majoran, Ysop, Zinien, Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias), usw.
- Vor allem große und kleine Brennnesseln haben viele unserer Raupen zum Fressen gerne: Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral, Landkärtchen, Distelfalter und C-Falter. Die Raupen von über 50 Tag und Nachtfalterarten ernähren sich von Brennnesseln. Nur wer eine Kinderstube für Raupen hat, kann auch mit Schmetterlingen rechnen. Dabei möchte Frau Schmetterling aber schon eine Fläche von 2-3 m² an Brennnesseln haben. Schließlich hat Mama Schmetterling zwischen 50 und 3.000 Kinder zu versorgen. Da reichen 3 Brennnesselstauden nicht aus.
- Blumen-Rabatten mit einheimischen ungefüllten Blüten. Viele fremdländische Arten bieten uns keine Nahrung.
- Hecken mit einheimischen Wildobstsorten- z.B. Kreuzdorn, Felsenbirne und Schlehe, Sommerflieder (Buddleja) , Himbeeren und Brombeeren,
- Rankende nektarreiche Pflanzen wie Geissblatt (Jelängerjelieber), Gewöhnliche Waldrebe (Clematis alpinum)
- Kübelpflanzen wie Wandelröschen, ungefüllte Storchschnabel-Arten.
- Obstbäume, Linde, Pappel und Weiden-Arten.
- Eine nährstoffarme Gras- und Wildblumenwiese statt einem Einheitsrasen mit einheimischen Kräutern und Blumen. Klee- und Wickenarten als Nahrung für Bläulinge, Gelblinge und Widderchen zum Beispiel.
- Viele blühende Kräuter im Garten, gerne auch einen ganzen Trittrasen aus Thymian. Ein Schwalbenschwanz benötigt als Kinderstube Tee-Fenchel. Aber auch Dill, Borretsch, Schnittlauchblüten, Zwiebelblüten und wilde Möhre sind wichtig.
- Die Raupen des Zitronenfalters entwickeln sich ausschließlich auf einem Faulbaum (Rhamnus frangula). Übrigens riecht nur die frisch abgeschnittene Rinde des Faulbaumes leicht. Früher schälte man die Faulbäume um an das begehrte Zunderholz zu gelangen. Daher der schlechte Ruf der Bäume. Lässt man die Rinde in frieden, riechen die Bäume auch nicht. Die Früchte des Faulbaumes sind jedoch für Menschen giftig. Bei Vögeln sind sie sehr beliebt.
- Eine flache Schale mit Wasser für den Durst oder Steine am Uferrand vom Teich, damit ich trinken kann. Lege in die Wasserschale bitte ein paar Steine und Sand. Vom feuchten Sand lecken wir das Wasser auf, auf den Steinen sonnen wir uns. Gerne kannst du in das Wasser auch eine winzige Prise Salz geben. Das mineralstoffreiche Wasser stärkt männliche Falter sie erzeugen deutlich mehr lebensfähige Eier.
- Wilde Gartenecken mit Totholzhaufen, Steinpyramiden oder Trockenmauern. In den Fugen überwintern gerne Falter wie Zitronenfalter und Tagpfauenauge. Luftig aufgeschichtete Laub- und Reisighaufen sind ebenfalls sehr tolle Verstecke für uns. Sie helfen uns Schmetterlingen uns vor Kälte zu schützen und den Winter zu überstehen.
- Bitte den Garten im Herbst nicht aufräumen und alle Stauden abschneiden. Vertrocknete Blütenstände und Gräser sind unsere Kinderstube. Dort überwintern unsere Puppen. Schneide die Blumenstauden erst im Frühjahr ab und lasse sie als Stängel in der Länge von 10-20 cm an Ort und stelle liegen. So können auch die letzten Nützlinge noch schlüpfen. Die trockenen Stängel zerfallen zu Nährstoffen für die Blütenstaude.
- Weniger häckseln, mehr schichten. Im Frühjahr abgeschnittene Stängel können Eier oder Puppen beherbergen. Verzichten sie daher aufs Häckseln und stapeln sie das Holzige Schnittgut besser zu Haufen oder stecken es in die Benjeshecke. Oder sie zerschneiden den Staudenschnitt einfach sehr grob und lassen ihn auf den Staudenbeeren liegen. Das mulcht den Boden, lässt vorhandene Insekten schlüpfen. Die Blumenstauden überwuchern mit ihrem Grün den Gartenabfall, der sich langsam zersetzt und so gleich wieder Dünger liefert.
- Durchschlupf gewähren. Lassen sie Dachbodenfenster, Schuppenfenster und Scheunen einen Spalt offen, da kühle unbeheizte Gebäude ein gutes Winterquartier für Tagpfauenauge und Co. sind. Auch alte abgestorbene Bäume und Baumstümpfe bieten verschiedenen Faltern Überwinterungsplätze. Wenn so ein alter abgestorbener Baum mit einer ungefüllten Rambler-Rose wie z. Bsp „Bobby James“ oder „Pauls Himalayan Musk“ begrünt wird, haben dann wiederum der Mensch einen schönen Anblick und die Insekten Nahrung.
Was ich nicht mag oder was mich sogar umbringt:
- Viele Stauden bieten uns keine Nahrung. Z. B. bilden Fosythie, Flieder und Ranunkelstrauch (Keria) keinen Pollen und Nektar. Auch Thujenhecken, Kirschlorbeer, Muschel-Zypresse und Buchsbaum bieten uns nichts. Besser sind da schon einheimische Wildobstsorten als Hecke und die musst du noch nicht einmal schneiden und in Form bringen.
- Blumenkästen mit den in Bayern sehr beliebten Geranien und Petunien bieten ebenfalls weder Nektar noch Pollen. Lieber Storchschnabel-Geranien und andere Nektarspender in die Blumenkästen pflanzen. (Siehe auch Beitrag Balkonblumen)
- Englischen Rasen ohne Kräuter und Blumen sind für uns auch keine Kinderstube. Kräuter- und Blumenreiche Wiesen sind da schon besser. Wir Schmetterlinge finden genügend Nahrung und du hast mit der Wiese ein großes Blumenbeet im Garten.
- Pflanzengifte aller Arten, selbst wenn bienenfreundlich drauf steht, sind sie für unseren Orientierungssinn giftig. Wir müssen dann verhungern.
- Einen Garten möglichst ohne Beleuchtung, da diese uns Falter magisch anzieht und auch tötet. Die Nachtfalter finden dann ihre Futterpflanzen nicht mehr, da sie lieber zum Licht fliegen.
Stauden für ein Schmetterlingsbeet in der Sonne:
Wilde Karde (Dipsacus fullonum)- Distelfalter, Natternkopf (Echium vulgare)- Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium cannabinum) – Kaisermantel, Großer Wiesenknopf (Sanuisorba officinalis) – Wiesenknopf-Ameisenbläuling, Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi), Blutweiderich (Lythrum salicaria) – Weiderich-Blütenspanner, Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) – Aurorafalter, Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus) – Bläulings- und Widderchenarten, Wilde Möhre (Daucus carota subsp. carota) – Schwalbenschwanz und Gammaeule, Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) – Großer Perlmuttfalter und Postillon, Wiesensalbei (Salvia pratensis) – Goldener Scheckenfalter, Schwalbenschwanz, Echter Dost (Origanum vulgare)- Großes Ochsenauge, Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum)- Sonnenröschen-Grünwidderchen, Färber-Ginst (Genista tinctoria) – Grüner Zipfelfalter, Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) – Wolfsmilchschwärmer und viele Tagfalter, Purpur-Fetthenne (Sedum telephium subsp. telephium) – Admiral und andere, Flachblatt-Mannstreu (Eryngium planum) – Tagfalter, Frühblühender Thymian (Thymus praecox) – Violetter Feuerfalter, Echtes Labkraut (Galium verum) – Raupenpflanze.
Stauden für ein Schmetterlingsbeet im Schatten:
Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) – Nachtkerzenschwärmer, Taubenschwänzchen, Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) – Kaisermantel, Goldruten-Blütenspanner, Rote Lichtnelke (Silene Dioica) – Lichtnelken-Eule, Große Sterndolde (Astrantia majora) – Landkärtchen, Nickendes Leimkraut (Silene nutans) – viele Falter, Mondviole (Lunaria rediviva) – Aurorafalter, Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium) – Tempeleule, Seifenkraut (Sapponaria officinalis) – Windenschwärmer, Netzeule, Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) – Perlbinde, Schlüsselblumen-Würfelfalter, Frühlingsplatterbse (Lathyrus vernus) – Platterbsen-Widderchen, Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) – Messingeule, Schneemarbel (Luzula nivea) – Raupenpflanze, Geissblatt – Rankpflanze(Lonicera caprifolium) – Kleiner Eisvogel
(Bezugsquelle für die Wildstauden: Stauden Haid in Ingolstadt ( Stauden-Haid.de), Gärtnerei Altmann (Wildstauden-online-kaufen.de) oder Staudengärtnerei Drachengarten (Drachen-Garten.de)
Ein kleines Schmetterlings-ABC
Was ist der Unterschied zwischen Motte und Schmetterling?
Die Motten gehören auch zu den Schmetterlingen. Daher gibt es eigentlich keinen Unterschied. Als Motten werden aber meist die nachtaktiven Falter bezeichnet und als Schmetterlinge die tagaktiven Falter. Die nachtaktiven Falter sind weniger bunt, haben einen dickeren Körper und im Gegensatz zu den tagaktiven Faltern meist keine keulenförmig endende Fühler. Zu den Motten gehören z.B. die Eulenfalter und die Gespinstmotten.
Wie viele Schmetterlingsarten gibt es in Deutschland?
In Deutschland gibt es insgesamt 3.700 Schmetterlingsarten. Die meisten davon sind nachtaktiv. Nur 190 Schmetterlingsarten fliegen tagsüber.
Warum sind Raupen wichtig für Schmetterlinge?
Raupen sind die Kinder der Schmetterlinge. Wenn Schmetterlinge Eier legen, dann schlüpfen daraus die Raupen. Diese haben die nächsten Wochen nur eines im Sinn: schnell fressen und groß werden. Sind sie genug gewachsen, verpuppen sich die Raupen. In der Puppe verwandelt sich die Raupe in einen Falter. Diesen Vorgang nennt man vollständige Metamorphose, weil das Kind (die Raupe) ganz anders aussieht als der Erwachsene Falter. Bei der Metamorphose verflüssigt sich der Puppenkörper sozusagen und die Zellen ordnen sich neu an.
Wie alt werden die erwachsenen Schmetterlinge?
Die erwachsenen Schmetterlinge werden meist nur wenige Wochen alt. Eine Ausnahme ist z.B. der Zitronenfalter. Da diese Art als Falter überwintert, wird der Schmetterling einige Monate alt, bevor er sich im Frühjahr paart, Eier legt und anschließend stirbt.
Was machen Schmetterlinge im Winter?
Den Winter verbringen Schmetterlinge auf verschiedene Weise. Die meisten Arten überwintern als Ei, Raupe oder Puppe. Der Schwalbenschwanz z.B. verpuppt sich im Herbst und wartet dann bis zum nächsten Frühjahr bevor er als Falter schlüpft. Andere Arten, wie der Admiral, fliegen im Herbst in den Süden um dort zu überwintern. Nur wenige Arten, wie der Zitronenfalter, verbringen den Winter als Falter und suchen Schutz, z.B. in hohlen Baumstämmen oder Ritzen von Schuppen und Holzstoß.
Wer ist der größte heimische Schmetterling?
Der Totenkopfschwärmer ist mit seiner Spannweite von 9-11,5 cm der größte heimische Schmetterling. Er wandert während des Sommers aus der Mittelmeerregion als Wanderfalter ein. Der Totenkopfschwärmer hat eine besondere Leibspeise. Er dringt nachts in Bienenstöcke ein und frisst Honig und Nektar aus den Waben.
Kann man Schmetterlinge anfassen?
Nein, Schmetterlinge sollte man nicht anfassen. Auf der Oberfläche der Flügel befinden sich feine Schuppen/Plättchen. Diese geben den Flügeln ihre bunten Farben. Bei Berührung fallen die Plättchen leicht ab. Das kann den Schmetterling flugunfähig machen. Willst du einen Schmetterling genauer ansehen, warte bis er sich auf einer Blüte niederlässt und mache ein Foto.
LINK: Schmetterlinge Bilder und Beschreibung
Aktiv werden im Naturschutz – Schwandorf und Umgebung | Bestimmungshilfen (Hier finden sie eine Übersicht über Die Tagfalterarten in Deutschland)
Poster: Tagfalter-Raupen (Hier finden sie ein Poster über Tagfalter-Raupen)
Zum Thema „Ein Garten für Schmetterlinge“ halte ich einen ausführlichen Vortrag. Dauer ca. 75 Minuten. Sie finden mich im Referentenverzeichnis des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege e.V.
Autorin Petra Herbach
